Keine 37000 Euro braucht es, und man ist ein Anderer. Vorausgesetzt, man führt diese Summe dem nächst gelegenen Nissan-Vertragshändler zu und bestellt sich den Nissan 350 Z. Dann erhält man im Gegenwert dafür einen waschechten Sportwagen, der die etablierte, europäische Konkurrenz mehr als gewünscht erzittern lässt. Dabei ist das Rezept gar nicht so kompliziert. Kräftiger Motor, Mut zum Design und ein grundehrlicher Charakter reichen, um manchen vermeintlich Hersteller-fixierten Sportfahrer ins Grübeln zu bringen. Ob das Nachdenken zum Kaufentscheid reicht, muss jeder selbst herausfinden. Erleichternd ist, dass der 350 Z mit offenen Karten spielt – und genau das macht ihn so sympathisch. Zum Beispiel die in Front und Heck verbauten Domstreben, die - böse Zungen behaupten dies – die weiche Karosserie davor bewahren, als Korkenzieher zu enden. Nein, das ist wirklich nicht nett. Man kann auch anders herum argumentieren: dies ist der konsequente Weg, zu Lasten eines größeren Kofferraumes von vornherein die Priorität auf „Sport“ zu legen – voilá. Oder das erstaunlich nachhaltige gestreute Gerücht der Tuning-Fans, die dem Serien-Z nicht die volle Leistung attestieren. So wurden beim 280-PS-Vorgänger wie auch vom Facelift-Modell mit nunmehr 301 PS immer wieder selbst ernannte „Experten“ zitiert, die dreist behaupteten, dass dem Nippon-Coupé „mindestens 30 PS zur Nennleistung fehlen!“. Papperlapapp, unsere Recherche hat etwas ganz Anderes ergeben. Alle 350 Z streuen leistungsmäßig im absolut legitimen Rahmen. Doch in den Genuss, dieses überhaupt feststellen zu können, kommen eben nur jene Tuner und ergo deren Kunden, die auch tatsächlich eine Eingangsmessung der Leistung auf dem Prüfstand machen, bevor sie diese bedienen. Und da kam es äußerst selten vor, dass mehr als fünf Prozent der vom Werk angegebenen Leistung fehlte. Soviel zum Thema Neid & Miesepeterei - von wem auch immer diese Phantasie-Geschichten in den Foren platziert werden.
Das Einzige, was der aktuelle Z wahrlich weniger hat, ist Drehmoment. Doch auch hier sind es nur zehn spärliche Newtonmeter, die zugunsten der um 21 PS höheren Leistung aufgrund geänderter Ansaugwege geopfert wurden. Im Fahrbetrieb bleibt diese Reduzierung zur Gänze unspürbar, der Z schiebt wie gehabt nachhaltig und mit tollem Klang an. Maximal leistet das V6-Aggregat nun 301 PS bei 6400 und ein maximales Drehmoment von 353 Newtonmetern, die wiederum bei 4800 Kurbelwellenumdrehungen via Kohlefaser-Kardanwelle an die Hinterräder geleitet werden. Genug Leistung, um die sehr schlanke Zeit von 5,8 Sekunden für den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h zu erzielen. Gemessen am Leergewicht von 1610, bzw. 1630 Kilogramm (je nach Ausstattung) ein hervorragender Wert, der natürlich durch die gleichmäßige Gewichtsverteilung von 53:47 und damit einhergehend guter Traktion noch begünstigt wird.
Diese ausgewogene Achslastverteilung ist es überdies, die das tiefe Vertrauen zum Z während der Kurvenhatz unentwegt stärkt. Denn auch bei deaktivierten Stabilitätsprogramm ESP wird der Nissan im Grenzbereich nicht link oder gar unberechenbar. Vielmehr erlaubt er ohne nervtötende Regeleingriffe illustre Drifteinlagen, die dank des breiten Grenzbereiches in vollen Zügen genossen werden können Geeigneter, nicht öffentlicher Untergrund und nervlich stabile Beifahrer selbstredend vorausgesetzt. Wer es dennoch zu bunt treibt, hat im Ernstfall mit der standfesten Brembo-Bremsanlage, die im Übrigen im ungewöhnlichen wie bildschönen Goldfarbton durch die Speichen der 18-Zoll-Felgen schimmert, einen weiteren verlässlichen Partner an seiner Seite, um heikle Situationen zu entschärfen.
Lediglich die Schaltbarkeit des Sechsgang-Getriebes trübt die fast perfekte Vorführung des im japanischen Oppama gefertigten Zweisitzers. Etwas mehr Präzision beim Schalten wäre wünschenswert, denn die Gänge benötigen etwas Zeit, bis sie sich richtig haben sortieren lassen. Wer jedoch nicht die letzten Zehntel bei der Beschleunigung aus den Schaltwechseln zu generieren versucht, wird mit den guten Anschlüssen der einzelnen Gänge mehr als belohnt. Um die Drehzahl auf langen Autobahnetappen und demzufolge auch den Verbrauch niedrig zu halten, wurde die letzte Gangstufe zudem besonders lang ausgelegt. Mit einem Minimum an Disziplin im Gasfuß sind Verbrauchswerte, die unter zehn Liter auf 100 gefahrene Kilometer betragen, keine Hexerei.
Das Einzige, woran der 350 Z in Summe seiner fahrdynamischen Qualitäten an Zauberei erinnert, ist sein Preis. Exakt 36.890 Euro verlangt Nissan für seinen Evergreen, der die Konzernlenker europäischer Sportwagen-Produzenten erheblich unruhiger schlafen lässt. Denn deren Produkte mögen über mehr Prestige verfügen – besser als der Z der fünften Generation sind sie deshalb noch nicht. tym/tonne
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